Mein erster Hund war ein Riesenschnauzer, der als Welpe in unsere Familie kam. Wir wuchsen gemeinsam auf - der
Riesenschnauzer allerdings wesentlich schneller als ich. Mit Sorge sahen meine Eltern, wie mein Hund mehr und mehr
das Heft in die Hand nahm. Ein Riesenschnauzer ist wohl nicht der richtige Hund für einen Sechsjährigen. So war ich
meinen ersten Hund genauso überraschend wieder los wie er gekommen war. Er wohnte fortan bei meiner Oma.
In Größe und Kraft angemessen für einen Sechsjährigen war mein zweiter Hund, ein Dackel. Nur folgsam war er nicht.
Wie denn auch? Schließlich kann so ein Hund ja nicht ahnen, was von ihm erwartet wird. Also kaufte ich mir von meinem
Taschengeld mein erstes Hundebuch. Ich las und lernte, was das Zeug hält - und machte bei der Umsetzung sehr viele Fehler,
wie ich heute weiß.
Das Zusammenleben mit Hunden und der Wunsch, sie angemessen zu verstehen und zu behandeln, hat mein ganzes Leben begleitet.
Die gegenseitige Anziehungskraft zwischen diesen faszinierenden sozialen Lebewesen und mir war allerdings unübersehbar,
wie mir Freunde immer wieder bestätigten.
2002 erfüllte ich mir dann einen lang gehegten Traum: Ich begann ein Fernstudium bei der Akademie für Tiernaturheilkunde
in der Schweiz, um ausgebildeter Tierpsychologe zu werden. Die praktische Seite des Umgangs mit Hunden erlernte ich bei
CANIS,
einem Zentrum für Kynologie.
Meine beste Lehrmeisterin ist aber meine Mischlingshündin Josie. Als ich sie im Alter von drei Jahren aus
dem Tierheim holte, zeigte sie viele unerwünschte Verhaltensweisen. Ein echter Prüfstein, auch für Hundetrainer. Mir
wurde noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, Hunde jederzeit und überall unter Kontrolle zu haben.
Heute habe ich sehr viel Freude mit Josie, obwohl sie nie ein „Vorzeigehund“ werden wird. Das ist auch nicht wichtig.
Entscheidend ist, dass sie sich unterordnen kann, denn Hunde brauchen klare Regeln und souveräne Sozialpartner. Nur
dann können sie entspannen und ganz und gar Hund sein.




